Vietnam - Can Tho / Saigon

Am 6. Dezember gehen wir zu Fuß über die Grenze zwischen Kambodscha/ Kep und Vietnam/ Ha Tien. Da wir bereits ausgedruckte Visas vorweisen können, gibt es keine Probleme. Die Grenzstadt Ha Tien kann uns außer einem schönen Sonnenuntergang nicht viel bieten, daher fahren wir gleich am nächsten Tag weiter - mit einem Liegebus: Die Überlandbusse werden offenbar gleichermaßen als Nachtbusse oder tagsüber eingesetzt. Sie haben in Fahrtrichtung drei Längsreihen an Liegekojen, jeweils zwei Ebenen übereinander. Man liegt recht bequem - wie eine Nachtfahrt ist, werden wir bald wissen - die Straßen sind ja oft holprig und zumindest tagsüber hupt der Fahrer dauernd, um sich freie Bahn zu verschaffen. 


In Can Tho residieren wir im Queenie House, einem kleinen, familiären Hotel, wo wir ein großes Zimmer bewohnen und ein Bad genießen, bei dem nach dem Duschen der WC-Deckel trocken bleibt. Um vier Uhr morgens beginnt unsere Bootsfahrt in weiblicher Hand (junge englisch sprechende Führerin Ju und ältere Bootsfrau mit altem Holzboot) auf dem Mekong. Wir fahren zu schwimmenden Märkten, in kleinen verwachsenen Kanälen, besuchen eine kleine Drachenfrucht-Farm und eine Reisnudel-Manufaktur. Am Land sehen wir taoistische und buddhistische Tempel, essen in kleinen Lokalen.


Wieder mit einem Liegebus geht es am 10. Dezember sieben Stunden weiter nach Saigon, offiziell Ho Chi Min Stadt. Eine Großstadt, in der wir uns im ersten Bezirk - natürlich nur zu Fuß - genauer umsehen. In der ersten Pagode (Xa Loi) gibt es große Aufregung, denn der Meditationsmeister Tich Chan Quang kommt persönlich. Wir werden von eifrigen jungen Menschen willkommen geheißen, zum Essen eingeladen. Trotzdem reißen wir uns los, sehen das Denkmal des Thich Quang Duc, dem ersten buddhistischen Mönch, der sich 1963 selbst als Verzweiflungsakt wegen der Buddhistenverfolgungen der damaligen Regierung verbrannte. (Wir denken an Jan Palach, 1969). 

Wir erkunden die Jade Emporer Pagode, sehen zeitgenössische Kunst (auch revolutionäre) und blicken auf die Metropole vom 46sten Stock des Bitexco Financial Tower.


In diesen ersten Tagen in Vietnam erleben wir freundliche Menschen, die trotz der Sprachschwierigkeiten helfen. Und wir müssen uns beim Überqueren von Straßen gegen Horden von Motoradfahrern behaupten. Als Fußgänger muss man einen günstigen Moment erahnen, sich dann in gemäßigtem Tempo, zielstrebig, multiplen Augenkontakt suchend und gleichzeitig die linke Seite im Auge behaltend, für die "Gegner" berechenbar bleibend, das gegenüberliegende "Ufer" anstreben. ... Denn sie bleiben nur im Notfall stehen, rote Ampel allein reicht nicht, Zebrastreifen ist zwar da, aber eigentlich nicht.

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